Neue Wege des Stiftens: Zwischen klassischer Stiftung und flexiblen Strukturen gesellschaftlichen Engagements

Deutschland erlebt seit Jahren ein anhaltendes Wachstum im Stiftungswesen. Ende 2024 existierten hierzulande 26.349 rechtsfähige Stiftungen. Allein im Jahr 2024 kamen 711 neue hinzu, was einem Zuwachs von über 11 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Die Bereitschaft, sich finanziell für gesellschaftliche Zwecke zu engagieren, zeigt sich dabei jedoch nicht allein in der steigenden Zahl klassischer Stiftungsgründungen. Parallel gewinnen zunehmend auch alternative, flexiblere Formen des Stiftens an Bedeutung.

„In der Beratungspraxis sehen wir zunehmend, dass viele Menschen sich engagieren möchten, ohne sich unmittelbar mit komplexen Strukturen und langfristigen Verpflichtungen zu binden“, beobachtet Majk Koliqi, Berater für institutionelle Kunden bei der NATIONAL-BANK AG in Essen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Modelle an Bedeutung, die einen einfachen und zugleich strukturierten Zugang zum Stiften ermöglichen. Bereits mit überschaubaren Beträgen ab 50.000 Euro lässt sich ein eigenes, zweckgebundenes Engagement aufbauen, das professionell begleitet und dauerhaft umgesetzt wird. Demgegenüber setzt die rechtsfähige Stiftung in der Praxis regelmäßig ein deutlich höheres Vermögen voraus. Neben dem Kapitalbedarf, der häufig im Bereich von 500.000 Euro bis hin zu einer Million Euro liegt, sind insbesondere organisatorische Anforderungen und laufende Verwaltungsaufgaben zu berücksichtigen. Anders als bei einem Stiftungsfonds sind die rechtsfähigen Stiftungen auch in diversen Registern abrufbar und damit weitgehend transparent, insbesondere nach der nunmehr für Anfang 2028 geplanten Einführung eines bundesweiten Stiftungsregisters.

Viele Stifterinnen und Stifter möchten hingegen lieber gesellschaftlich wirken, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Hinzu kommt, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen identisch sind: Bis zu 1 Million Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten bis zu 2 Millionen Euro, können innerhalb von zehn Jahren als Sonderausgaben geltend gemacht werden – unabhängig davon, ob die Zuwendung in eine eigene Stiftung oder in einen Stiftungsfonds erfolgt.

„Die Frage ist heute weniger: Stiftung ja oder nein“, sagt Christian Nagel, Partner bei HPW. „Entscheidend ist vielmehr, welcher Weg zur jeweiligen persönlichen, familiären und vermögensbezogenen Situation passt.“ Im Gespräch mit Majk Koliqi erläutert der Steuerberater, wann ein Stiftungsfonds die sachgerechtere Lösung sein kann, wo die Grenzen liegen und weshalb das Stiften längst nicht mehr nur ein Thema für die Inhaber sehr großer Vermögen ist.

Ein Gespräch über moderne Wege des gesellschaftlichen Engagements

Im Interview erfahren Sie,

  • wie ein Stiftungsfonds konkret funktioniert.
  • welche steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten bestehen.
  • warum die Wahl des Treuhänders von zentraler Bedeutung ist.